Teilnahmebericht Chinese Bridge-Wettbewerb 2016

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von Alexander Moldovan

Teilnahmebericht Chinese Bridge-Wettbewerb 2016Am 21. Mai fand der deutsche Vorentscheid zum 15. Chinese Bridge Wettbewerb in Heidelberg statt. Insgesamt präsentierten 16 Teilnehmer einen 3-minütigen Kurzvortrag zum Thema "Mein chinesischer Traum" 《我的中国梦》, beantworteten Fragen zu Sprache, Kultur und nationaler Situation und zeigten eine künstlerische Darbietung. Für die Gewinner winkten folgende Preise: Zwei dritte Preise gewährten einjährige Sprachstipendien, ein zweiter Platz die Teilnahme als Zuschauer am Finalwettbewerb in China und drei erste Plätze die Teilnahme als Kandidaten an demselben. Aus Erlangen traten Leonie Sterzel und ich an.

Auf die Empfehlung eines Dozenten hatte ich mich Ende Januar zur Teilnahme entschlossen. Ende Februar begann die Vorbereitung mit dem Schreiben des Vortrags. Während meines Auslandsjahres in Xi’an hatte ich bereits einmal viel Zeit in das Ausklügeln einer Rede für einen Vortragswettbewerb investiert. Damals stießen Vorträge über Schwierigkeiten im Umgang mit Stäbchen und das stakkatohafte Aufzählen chinesischer Gerichte auf beste Resonanz. Diesmal setzte ich deswegen ebenfalls auf die Liebe der Chinesen zu ihrem Essen und schrieb über meine Lieblingsspeise Yangrou paomo 羊肉泡馍 (Brotsuppe mit Lammfleisch) und Biángbiáng Nudeln, ein Gericht, das eines der schwierigsten chinesischen Schriftzeichen im Namen trägt.

Am schwierigsten stellte sich während der Vorbereitung die Korrektur der Aussprache bestimmter Wörter dar. Sobald ich mich auf die richtigen Töne konzentrierte, vergaß ich meinen Text. Deswegen tauschten wir viele Textstellen durch für mich einfacher auszusprechende aus. Ich studierte begleitende Handbewegungen ein, um der Rede mehr Lebendigkeit und Ausdruck zu verleihen – und um von monotoner Stimmlage und Gesichtsausdruck abzulenken. Daneben lernte ich die etwa 250 Fragen (vereinzelt absurde wie „nennen Sie die drei größten chinesischen Erdölunternehmen“) und übte Taijiquan.

Ich hatte nur eine vage Vorstellung, wie der Wettbewerb ablaufen würde. Würden die besten Chinesisch Lernenden Deutschlands teilnehmen oder eher Mittelmäßige eine Plattform suchen, um sich zu verbessern? In Heidelberg hatte ich dann einen Teilnehmer als Mitbewohner, der seit dem 13. Lebensjahr Chinesisch lernt, den Chinese Bridge Schülerwettbewerb gewonnen und beim Finale in China als sechster abgeschnitten hat. Die leichte Hoffnung, die ich zuvor hatte, war dahin. Nach gemeinsamen Abendessen mit lokalen Spezialitäten folgte deswegen ein Intensivtraining, bei dem ich aber immer noch in 75% der Fälle Sätze vergaß oder andere Fehler machte.

Teilnahmebericht Chinese Bridge-Wettbewerb 2016Am Tag des Wettbewerbs wurde die Vorbereitung fortgesetzt, während andere ihre Darbietungen bereits aufführten (meine Betreuerin war höchst motiviert mich bestens vorzubereiten, wegen ihres Albtraums in der Nacht zuvor, dass wir nicht gut abschneiden würden und ihr Vorgesetzter mit ihr nicht zufrieden sein würde). Mut machte mir dagegen, dass keiner der Teilnehmer, deren Aufführungen ich gesehen habe, vollkommen perfekt war. Es gab immer minimale Mängel. Als künstlerische Darbietung wurde meist Gesang und Tanz gewählt, einen tieferen Eindruck haben Jonglieren und Stepptanz hinterlassen. Mein persönlicher Favorit war eine Studentin, die chinesische Malerei vorführte und deren Charakteristika erklärte.

Mein eigener Auftritt verlief schließlich so gut, wie ich es nur hätte machen können. Der Text saß sicher, ich erntete Lachen und Applaus aus dem Publikum für meinen Text und Körpersprache – sogar an Stellen, von denen ich überhaupt nicht wusste, dass sie lustig sind – und erhielt anschließend Lob von einigen anderen Teilnehmern. Ich hatte Spaß. Dass mein Chinesisch dann doch nicht für einen dritten Platz ausgereicht hat war etwas ernüchternd. Auf der Rückfahrt nach Erlangen spürte ich die Erschöpfung aus zwei Monaten Vorbereitung in den Knochen, die „5 Liter Adrenalin“, wie es eine Siegerin passend ausdrückte, verflossen.

Aus meiner Sicht hat sich die Teilnahme trotzdem gelohnt, wegen der Erfahrung, Sinologiestudenten aus anderen Universitäten zu begegnen, und insbesondere aufgrund der intensiven Vorbereitung. Das Lernen der Fragen baut Allgemeinwissen zu China aus und die hundertfache Rezitation der Rede – eine chinesische Lernmethode die sich historisch bewährt hat – prägt Satzfloskeln, Vokabular und Aussprache ein, die nicht mehr aus meinem Kopf zu entfernen sind. Der Austausch mit den Sprachlehrern kommt mindestens einem Semester Sprachkurs gleich. Und selbst wenn ich einen Preis gewonnen hätte, hätte ich diesen August oder September eigentlich keine Zeit, um nach China zu reisen und nicht den Wunsch, mein Studium durch ein Chinajahr weiter zu verlängern.

Für zukünftige Kandidaten möchte ich betonen, dass „das sprachliche Ausdrucksvermögen im Vordergrund steht.“ Wenn man, wie ich, nicht singen kann, sollte man vielleicht nicht Taijiquan als Darbietung wählen, weil es dabei keinen sprachlichen Ausdruck gibt, sondern eher einen chinesischen Sketch 相声 aufführen. Ebenso spielt der Inhalt der Rede – im Gegensatz zur Sprache – keine Rolle. Ich möchte Studentinnen und Studenten ermutigen an dem Wettbewerb teilzunehmen, wenn ein Dozent sie darauf anspricht, oder auch selbst auf einen Dozenten zuzugehen, wenn Interesse besteht. In der Theatergruppe lässt sich dafür großes Talent erkennen.

Herzlicher Dank gilt dem Konfuzius-Institut Heidelberg für Organisation und Verköstigung, Herrn Prof. Chen Hangzhu für ermutigende Worte, ganz besonders Frau Dr. Li Xiaoqin für großen Einsatz von Zeit und Mühe bei intensiver Vorbereitung, Frau Yang Cui für professionelles Taijiquan-Training und Frau Wang Anqi für Betreuung beim Wettbewerb und kreative Verbesserungsvorschläge.