Sinosym 2012 in Freiburg

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von Stephanie Axer, Renée Gringmuth, Maximilian Maydt und Carmen Schmidl

Vom 13. bis 15. Juli 2012 haben wir, vier Studenten der Sinologie im sechsten Fachsemester der FAU, zusammen mit rund 50 anderenSinosym Sinologiestudenten aus Deutschland und der Schweiz am Symposium SINOSYM zur Forschungs- und Arbeitswelt junger Sinologinnen und Sinologen teilgenommen.
Unsere Reisekosten wurden vom Lehrstuhl für Sinologie bezuschusst. Der Lehrstuhl hat hierfür einen kleinen Fonds eingerichtet, der Studierende, die wissenschaftliche Veranstaltungen wie Konferenzen und Symposien im europäischen Raum besuchen, unterstützt. Die Gelder entstammen den Studienbeitragsgebühren.

Das SINOSYM Freiburg ist ein Symposium, das von der Fachschaft der Sinologie der Albert-Ludwigs Universität Freiburg ins Leben gerufen wurde. Die Studenten organisierten es völlig eigenständig für andere Studenten an deutschsprachigen Sinologien – mit großem Erfolg, wie sich an den drei Symposiumstagen herausstellte. Die ursprüngliche Idee war es, einen Blick hinter die Kulissen des Arbeitsalltags von „fertigen“ Sinologen in den Bereichen Kultur/Politik, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft zu werfen. Dafür gab es bereits vorweg die Möglichkeit bei der Bewerbung einen Workshop auszuwählen. Geladen als Workshopleiter waren ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, die jedoch alle nach ihrem Uniabschluss das Label „Sinologe“ trugen. Herr Dr. Marc Bermann von der Mercator-Stiftung leitete den Workshop Kultur/Politik, Frau Dr. Kristin Kupfer beschäftigte sich mit ihren Workshopteilnehmern mit dem Berufsprofil Journalismus, Herr Benjamin Kemmler von der Deutschen Bank ging auf die Zukunftschancen der Teilnehmer seines Wirtschaftsworkshops ein und Frau Prof. Dr. Katja Levy erläuterte den akademischen Werdegang eines Sinologen.

Freitag:

Eröffnet wurde das Symposium am Freitagabend mit einem öffentlichen Einführungsvortrag des deutschen Sinologen Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer mit dem Titel „Das westliche Chinabild und die Rolle der Sinologie“.

SinosymCharismatisch und verständlich stellte Prof. Dr. Schmidt-Glintzer die Divergenz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung Chinas dar: China ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und des anhaltenden Wachstums, das Land mit den größten Devisenreserven und Motor der Weltwirtschaft und zugleich das Land mit jährlich 180 000 offiziell registrierten Bürgerprotesten. Wie soll nun die Sinologie als akademische Chinawissenschaft mit diesen Bildern umgehen, und welche Bilder von China, welches Chinaverständnis stellt sie vor? Wie löst man den Widerspruch zwischen dem Chinabild der Chinawissenschaftler und dem Chinabild der Wirtschaft und dem der Menschenrechtsdebatte auf?

Am Ende des informativen Vortrags atmen alle Sinologiestudierenden in dem gefüllten Hörsaal auf, als Prof. Dr. Schmidt-Glintzer zu dem Fazit kommt: Ein Sinologe muss nicht zu jedem china-spezifischen Problem, jeder politischen Debatte in oder über China Stellung beziehen und eine kritische Meinung vertreten. Die Erwartungshaltung des Sinologen mit universeller Chinakompetenz ist nicht realistisch.

Samstag:

An diesen Auftakt schloss am Samstagmorgen der Workshopteil des Symposiums an. Wir wurden als Teilnehmer erst herzlich von den OrganisatorenSinosym begrüßt, die sich bereits seit einem Jahr mit der Konzeption dieses Wochenendes befasst hatten und ebenfalls an den Gruppen teilnahmen. In den Workshops, die jeweils eine Dauer von zwei mal zwei Zeitstunden hatten, soll der Workshopleiter Einblicke in den jeweiligen Arbeitsalltag geben und verdeutlichen, welche Rolle die Sinologie darin spielt, sowie aufzeigen, auf welchem Weg junge Sinologen in dem jeweiligen Bereich Fuß fassen können. Die Workshopteilnehmer wurden hierbei interaktiv eingebunden, um ihre Kenntnisse im jeweiligen Bereich zu vertiefen. Aufgrund unserer unterschiedlichen Interessen deckten wir vier Studenten der FAU bereits drei Workshops ab. Für diese musste man sich im Vorhinein entscheiden.

Workshop Wissenschaft:

Renée Gringmuth hatte den Workshop Wissenschaft bei Frau Levy gewählt. Zuerst hielt Frau Levy einen Vortrag über ihren eigenen Werdegang und über einige Fakten zum Berufsprofil „Professor“. Sie sprach die lange Lehrzeit an und die Tatsache, dass es nicht immer so geradlinig auf diesen Beruf zugeht, wie man meinen könnte. Sie selber hat nach ihrem Studium einen Platz bei Siemens in Shanghai bekommen und dann dort erst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt, bevor sie zur akademischen Tätigkeit als Sinologin kam. Nach dieser Einführung durften wir selber aktiv werden und sollten in Form unseres eigenen Profils aufschreiben, was für Leistungen wir eigentlich bis heute erbracht hatten. Da wurden nicht nur akademische Leistungen und Arbeitserfahrungen in die Profile aufgenommen, sondern auch ganz praktische Dinge, wie die Teilnahme am örtlichen Sportverein, die Fähigkeit das eigene Leben mit Kind und Uni zu organisieren oder die Organisation eines Auslandsaufenthaltes in China. Mit viel Spaß stellten wir alle unsere bisherigen Erfolge dar und bekamen von Frau Levy Tipps. Leider musste Frau Levy uns jedoch bald wieder verlassen und musste daher den Workshop abrupt beenden, sodass wir nicht noch über das Thema reden konnten, das einigen von uns noch auf den Zungen brannte: Wie schafft man es das private Leben und das Professoren- (oder auch nur akademische Mitarbeiter-) Dasein auszubalancieren?

Workshop Medien:

Carmen Schmidl und Stephanie Axer wählten den Workshop Medien bei Frau Kupfer. Hier ging es um "China-Geschichten": Welche Interessen und Fähigkeiten braucht eine Journalistin oder ein Journalist, um aus und über China "mediale Geschichten" zu schreiben? Wie verträgt sich die "Lebensgeschichte" als Sinologe mit den Anforderungen an den Beruf des Journalisten? Welche Geschichten erlebt man im journalistischen Alltag in China? Die sehr kompetente Workshopleiterin Kristin Kupfer berichtete von ihrem eigenen Werdegang und Berufsalltag. Sie vermittelte und erarbeitete mit den Workshopteilnehmern auch praktische Aspekte der China-Berichterstattung. So imitierte sie z.B. eine Redaktionsatmosphäre, in der wir in kleinen Gruppen unter Zeitdruck einen geeigneten Artikel vorschlagen und die Recherche planen mussten – mit Frau Kupfer selbst als kritischer Redakteurin. Unser dadurch gewonnener Eindruck von der Journalisten-Tätigkeit ist der eines schnellen, unvorhersehbaren, aber auch sehr spannenden und erfüllenden Jobs, der ein großes Maß an Flexibilität im Arbeits- und privaten Bereich erfordert. Frau Kupfers Erfahrungen als freie Journalistin in Beijing von 2007 bis 2011 kann sie nach ihrer Rückkehr in die Wissenschaft auch vergleichend einordnen. So war es ihr möglich einige Anregungen für die Berufswahl von Sinologinnen und Sinologen zu geben und verstand es sowohl positive als auch negative Seiten der China-Berichterstattung objektiv darzustellen. Das Berufsbild der Auslandskorrespondentin und Journalistin in China vermittelte Frau Kupfer sehr lebensnah und informativ; wir haben nun das nötige Wissen zur Hand, um unsere Vorstellungen von dieser Tätigkeit mit der Realität vergleichen zu können und weitere Überlegungen anzustellen hinsichtlich unserer persönlichen Eignung und der praktischen Umsetzbarkeit.

 

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