Exkursion nach Rom 2014: Die Anfänge der Sinologie in Europa

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von Lydia Schulz

Warum fahren Sinologen auf eine Exkursion nach Rom? Diese Frage mussten nicht nur wir Teilnehmer häufig beantworten, sondern auch Herr Statu, der die akademische und organisatorische Leitung der Reise übernahm. Er antwortete darauf mit ausführlicher Lektüre zu den Tätigkeiten der Jesuiten in China ab dem 16. Jahrhundert sowie Texten über die Entstehung und Entwicklung der Sinologie in Europa und speziell in Italien.

Neugierig folgten wir, eine Gruppe aus sieben Bachelor- und Masterstudierenden, zunächst der Einladung der Jesuitenmission in Nürnberg zu einem Gespräch, in dem wir viel über die Anfänge des Ordens, aber auch über die aktuelle Situation hörten. So verstehen sich die Jesuiten als „Gefährten Jesu“ und leben ihre Freundschaft zu Jesus Christus in ihrer weltweiten sozialen und pastoralen Arbeit. Als die ersten Jesuiten im späten 16. Jahrhundert nach China kamen, erkannten sie schnell, dass sie sich an diese so andersartige Kultur und Gesellschaft anpassen mussten, bevor sie sich der Verkündigung der christlichen Botschaft widmen konnten. So kam es, dass die Jesuiten zu den ersten Europäern zählen, die die chinesische Sprache und Schrift erlernten und Übersetzungen anfertigten. Auch brachten die stark intellektuell ausgerichteten Jesuiten europäische Erkenntnisse der Mathematik, Philosophie und Geographie nach China und drangen damit bis an den Kaiserhof vor. Sie traten nicht als Geistliche, sondern als Gelehrte auf, da diese im Ming-zeitlichen China besser angesehen waren. Als es durch den Ritenstreit mit dem Vatikan und anderen Orden zu Spannungen über die Beibehaltung alter Riten wie der konfuzianischen Ahnenverehrung der zum Christentum Konvertierten kam, beendete Papst Benedikt XIV. 1742/44 die jesuitische China-Mission mit einem endgültigen Verbot. Heute beschränkt sich die Tätigkeit der Jesuiten in China auf den pastoralen Dienst in einzelnen Kirchen.

Als uns am 26. Mai Rom schließlich bei strahlendem Sonnenschein in Empfang nahm, vergaßen wir die Strapazen des frühen Aufstehens, des turbulenten Fluges und des Umsteigens schnell und machten uns auf Rom zu erkunden. Der erste Abend führte uns bereits durch die halbe Stadt von der Piazza della Repubblica vorbei am Trevi-Brunnen und Pantheon zur besten Pizzeria Roms.
Der nächste Tag verschaffte uns mit einem Besuch der Jesuitenkirchen Il Gesù und Sant‘Ignazio einen tieferen Einblick in den Orden der Jesuiten. Gebaut in den Jahren 1568-1575 bzw. 1626-1685 sind diese Kirchen ein Zeugnis barocker Baukunst und beeindrucken durch die herausragenden perspektivischen Fresken. Sant’Ignazio ist benannt nach dem Gründer der Gesellschaft Jesu, der 1622 heilig gesprochen wurde und dessen Gebeine in Il Gesù zu sehen sind.

Anschließend erhielten wir in der Biblioteca Gregoriana eine Einführung in die Bibliothek, die 1551 von St. Ignazius gegründet wurde und bekannt für ihre Sammlung von Büchern der Theologie, Philosophie, Kultur und Literatur ist.

Am Mittwoch waren wir in das Institut für Sinologie der Universität Sapienza sowie das dazugehörige Konfuzius-Institut eingeladen. Als größte Universität Europas mit über 140.000 Studenten hat auch der Lehrstuhl der Sinologie ein sehr umfangreiches Angebot. In der Bibliothek entdeckten wir nicht nur alle Standardwerke der Sinologie, die wir auch aus unserer Bibliothek kennen, sondern auch deutsche Bücher sowie Veröffentlichungen unserer Professoren.

Donnerstagmorgens folgte der Höhepunkt der Exkursion: Wir bekamen in der Nationalbibliothek nach einigem Suchen der Bibliothekare das Ben Cao von 1505 zu sehen. Das „Buch heilender Kräuter“ ist das bekannteste historische Buch über chinesische Kräuter und Arzneidrogen und enthält neben Beschreibungen des Aussehens, der Wirkung und Anwendungsweisen auch Illustrationen.

Das Museum für orientalische Kunst erwies sich als echtes Juwel. Obwohl die Ausstellung mit ihren Exponaten aus Persien, Nepal und Tibet überschaubar ist, finden sich darunter einige Besonderheiten, auf wir in einer höchst interessanten Führung aufmerksam gemacht wurden. Die Ausgrabungen und Sammlungen von Giuseppe Tucci bilden eine der größten Sammlungen tibetanischer Kunst im Ausland.
Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch der Bibliotheca Hertziana in der das Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte untergebracht ist. In einer Führung erfuhren wir mehr über die Geschichte des Hauses, das aus der Stiftung der Kölnerin Henriette Hertz hervorgegangen ist um durch gesellschaftliche Zusammenkünfte Musik, Kunst und Literatur zu fördern. Mit dem Blick von der Dachterrasse auf Rom verabschiedeten wir uns und machten uns auf die Heimreise.

Leider schafften wir es trotz zahlreicher Bemühungen nicht in die Vatikanische Apostolische Bibliothek zu kommen, um dort die Briefe und Aufzeichnungen der Jesuiten aus China zu sehen.
Wieder zurück im kühlen Erlangen erinnern wir uns gerne an die Gastfreundlichkeit mit der wir empfangen wurden und sind uns sicher, dass es nicht unser letzter Besuch in der ewigen Stadt war.

 

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