Exkursion nach China 2012: "Konfuzianische Gedächtnisarchitektur in der Provinz Shandong"

Suche


 

 

Siehe auch:

Forschungsberichte der Studierenden

Informationen zur Reise

Bildergalerie


 


von Maria Hensolt, Jakob Krüger und Julia Sterzel

Gruppenbild vor dem Confucius Research InstituteDer Konfuzianismus – wie alle neuen Ideen brauchte er Zeit, um sich zu etablieren. Dann erstarkte er, geriet wieder in den Hintergrund, schwang sich erneut empor. Ein ewiges hin und her. In der Kulturevolution versuchte man sogar, dem gesamten Konfuziusladen zu zerschlagen und glaubte ihn in Trümmern, tot; bzw. man stellte ihn als tot dar. Nur noch die sterblichen Überreste, die Schriften, bewahrte man. Doch so leicht ließ er sich nicht tilgen. Bald kamen Diskussionen über den Konfuzianismus. Man sprach vom konfuzianischen Geist als kulturelle Leitidee Chinas, ja des gesamten asiatischen Raums. Die Rede war auch vom konfuzianischen Kapitalismus. Doch wie lebendig ist Konfuzianismus heute? Wie wird seiner gedacht? Und wie wird er gelebt?
 
Das Confucius Research InstituteDies waren auch die Fragen, die sich an die Teilnehmer der Exkursion nach Qufu (曲阜) in der Provinz Shandong (山东) stellten. Besonders wichtig war dabei die Betrachtung der konfuzianischen Gedächtnisorte in dieser Region. Allen voran der Konfuziustempel (Kongmiao 孔庙), die Residenz der Familie Kong (Kongfu 孔府) und der Wald der Familie Kong (Konglin 孔林), welcher die Grabstätte Konfuzius und seiner direkten Nachkommen  ist. Daneben wurde auch konfuzianischen Spuren auf dem Taishan (泰山), einem der heiligsten Berge Chinas nachgegangen. Umrahmt wurden diese Erfahrungen durch den Aufenthalt im ebenfalls in Qufu gelegenen Confucius Research Institute (Kongzi yanjiuyuan 孔子研究院), in dessen hauseigenem Vier-Sterne-Hotel die Exkursionsgruppe Quartier bezog.

Prof. Matten und Mitarbeiter des Research InstitutesDen wissenschaftlichen Rahmen der Exkursion bildeten somit die alltäglichen Eindrücke und das geschichtliche Hintergrundwissen, die sich beim Besuch der oben erwähnten konfuzianischen Orte gewinnen ließen. (Die detaillierten Berichte der Teilnehmer dazu finden sich hier)

Da jedoch aufgrund der zeitlichen Begrenzung und der strengen Tagesordnung der Exkursion nicht viel Raum für intensivere Forschung blieben, konnten viele interessante Fragen nicht oder nur skizzenhaft bearbeitet werden. Vielmehr war nur die Erlangung eines groben Überblicks über die Auf dem Gelände des Research InstitutesSituation des Konfuzianismus in China möglich. Dieser Überblick genügte jedoch, um essentielle Gegenwartselemente so weit extrahieren zu können, dass folgende Aussagen möglich wurden: Der Konfuzianismus ist in seiner Öffentlichkeitswirkung in China momentan in einer kulturellen und auch politischen Hochphase. Er ist bis zu einem gewissen Grad (wieder) offizieller Staatskult und wird als solcher auch von der Politik hochgehalten. Er wird als Grundbaustein chinesischer Geschichte und chinesischer Identität dargestellt und seine Bedeutung für ein China, das sich auf internationaler Bühne zu beweisen hat, wird mit Nachdruck betont. Allerdings – und hierbei waren die Beobachtungen der Kursteilnehmer in den einschlägigen konfuzianischen Kulturorten Qufus von unschätzbarem Wert – spiegelt sich die öffentliche Darstellung nicht unbedingt im Handeln der Chinesen selber wieder. Ja, die konfuzianischen Denkmalstätten Führung über das Geländesind gut besucht. Ja, Konfuzius werden rituelle Opfer dargebracht und die konfuziansichen Werte als überaus wertvoll hingestellt. Doch ist auch eine strenge innere Identifikation mit alledem verbunden? Zwar können die gemachten Beobachtungen keine eindeutige Antwort auf eine derart schwer messbare Frage geben, allerdings konnten sich die Exkursionsteilnehmer nicht des Eindruckes erwehren, dass das es bei den chinesischen Besuchern an einer gewissen Andacht fehlte, die auf eine individuelle Identifikation mit dem Konfuzianismus schließen lassen könnte. Es schien vielmehr so, als frönen viele Chinesen stattdessen mehr einen touristischen Muss, bei dem es letztlich nur auf ein Posieren für die Kamera hinauslief.

Konfuziusstatue auf dem Gelände des InstitutsNatürlich sind dies nur unverifizierte Kurzeindrücke, denen jegliche wissenschaftliche Tiefe fehlt; und doch sind sie ein erster Hinweis, dass moderne konfuziansiche Strömungen nicht so ohne weiteres als tiefsinniges Massenphänomen betrachtet werden können. Man wird also nicht umhin kommen, bei der Analyse des Konfuzianismus auf die Vereinbarkeit politischer Aussagen, sozialem Verhaltens und wirtschaftlicher Elemente mit den klassischen konfuzianischen Werten, sprich mit dem konfuzianischen Kanon einzugehen.
Somit kann man sagen, dass die Exkursion nach Qufu allein schon durch das direkte Deutlichmachen dieser Problemstellungen ein voller Erfolg war.

 

 

Zum Seitenanfang

 

Forschungsberichte der Studierenden

 

Jermayne Abrams und Maximilan Schäfer:

Das Confucius Research Institute

Das Confucius Research Institute ist eine staatliche Einrichtung, die sich mit Konfuzius- und Konfuzianismusforschung beschäftigt. Der vorliegende Text behandelt die, streng nach Fengshui ausgerichtete, Architektur der Anlage sowie die Aufgaben und Ziele des Instituts.

 

Carlo Gügel und Martin Georg Wachtel:

Der Konfuziustempel

Der Konfuziustempel ist zusammen mit dem Wohnhaus und dem Wald der Familie Kong wichtigste Touristenattraktion in Qufu. Der Bericht erläutert den Aufbau und die Architektur der Anlage und geht - ausgehend von Pierre Noras Theorie der Gedächtnisorte - auf den Stellenwert der Konfuziusverehrung im heutigen China ein.

 

Markus Diehl und Jakob Krüger:

Stelen - Medien zur Geschichtsschreibung und Mittel zur Machtlegitimation

Im Konfuziustempel finden sich 50 Stelen, die von der Tang-Dynastie bis zur Republikzeit aufgestellt wurden und wichtige historische Zeugnisse darstellen. Neben Aussehen und Funktion der Stelen wird auch - in Anlehnung an Jan Assman - die heutige Bedeutung der Stelen und der mögliche Stellenwert des Konfuziustempels in der Zukunft aufgezeigt.

 

Julia Sterzel und Sema Yakar:

Bilder und Statuen von Konfuzius

Normalerweise wird Konfuzius in Abbildungen als Lehrer und Weiser dargestellt. In Qufu finden sich auch viele derartige Statuen, diejenige im Konfuziustempel sieht dagegen eher königlich und götterartig aus. Der Text behandelt die Geschichte der Konfuziusdarstellungen allgemein sowie das Aussehen und die Funktion der Statuen in Qufu.

 

Johanna Bachmann, Maria Hensolt und Stefan Sültz:

Opferrituale und Konfuziusverehrung


Vor der Haupthalle im Konfuziustempel befindet sich eine große freistehende Opferschale, in der die Besucher Räucherstäbchen zu Ehren des Konfuzius entzünden und auch am Grab des Konfuzius verneigen sich die Besucher und legen Blumen nieder. Diese Verehrung geht auf eine jahrtausendealte Tradition von Opferritualen zurück, die sich, wie dieser Text erläutert, immer wieder gewandelt hat und streng reglementiert war.

 

 Zum Seitenanfang

 

 

Exkursion nach China:

"Konfuzianische Gedächtnisarchitektur in der Provinz Shandong" - Informationen zur Reise

 

Die Exkursion führt die Reisegruppe in das Confucius Research Institute (http://www.confucius.gov.cn), das 2007 eröffnet wurde und die Rückbesinnung auf konfuzianische Werte als Tagesordnung verfolgt.

Das Institut ist beheimatet im Zentrum der Stadt Qufu, dem Heimatort des Konfuzius. In der letzten Dekade wurden entsprechende Gebäude errichtet - darunter die Halle des Konfuzius, Konferenzsäle und eine Bibliothek. Diese Gebäude, wie auch die zahlreichen Statuen, Wandinschriften, Gartenanlagen und Stelen zeichnen sich aus durch eine intendierte Verwendung von traditionellen architektonischen Mustern und Symbolen.
Ziel der Exkursion ist die Erarbeitung der Charakteristika der Gedächtnisarchitektur von Orten wie dem Konfuziustempel, der Residenzen der Familie von Konfuzius und Menzius sowie dem Konfuzius-Museum in Qufu. Gestützt auf den Ansatz des französischen Historikers Pierre Nora werden diese Orte als Gedächtnisorte verstanden, deren kulturelle und politische Funktion im Prozeß der Schaffung nationaler Identität erfasst werden sollen. Dies ist insofern wichtig, als daß die Funktion des Konfuzianismus und seiner Wertvorstellungen in China – wie auch in der ausländischen sinologischen Forschung – zwar intensiv diskutiert werden, ihre Dissemination auf nichtschriftlichem Weg aber noch unberücksichtigt ist. Die zahlreichen, in Qufu konzentriert vorliegenden Gebäude, die sich auf den Konfuzianismus beziehen, sowie das ausgezeichnete Forschungsumfeld am Confucius Research Institute bieten den Studierenden hier eine Möglichkeit, Feldforschung zu betreiben.
Während der Exkursion sollen die Studierenden ein Arbeitspapier von ca. 10 Seiten erstellen, welches am letzten Tag vorgestellt wird.
Ergänzt wird die Exkursion durch Sprachaustausch mit Studierenden der Qufu Normal University.
Diese Exkursion wird finanziell gefördert durch Hanban und Bayerisches Hochschulzentrum China.

 

 

Bildergalerie

 

Prof. Matten und Professor Yang vom Research InstituteProf. Matten und Professor
Yang vom Research Institute

QufuQufu

Der Weg zum KonfuziustempelDer Weg zum
Konfuziustempel

KonfuziustempelKonfuziustempel

Besichtigung des KonfuziustempelsBesichtigung des
Konfuziustempels

KonfuziustempelKonfuziustempel

Haupthalle des Konfuziustempels

Haupthalle des
Konfuziustempels

Konfuziusstatue im TempelKonfuziusstatue im Tempel

Votivtafeln im TempelVotivtafeln im Tempel

Am Grab des KonfuziusAm Grab des Konfuzius

Das Wohnhaus der Familie KongDas Wohnhaus der Familie Kong

Stadtmauer von QufuStadtmauer von Qufu

QufuQufu

QufuQufu

QufuQufu

Am Fuße des TaishanAm Fuße des Taishan

Tore am TaishanTore am Taishan

Am Taishan  Am Taishan

Aufstieg auf den Taishan

Aufstieg auf den Taishan

Taishan

Taishan

Felseninschriften am TaishanFelseninschriften am Taishan

Das letzte Stück

Das letzte Stück

Gruppenbild auf dem Taishan

Gruppenbild auf dem Taishan


Im Lunyu-Garten gegenüber dem Research Institute    Im Lunyu-Garten gegenüber dem Research Institute

Außergewöhnliche Kalligraphie eines Auszugs aus dem LunyuAußergewöhnliche Kalligraphie
eines Auszugs aus dem Lunyu

Sprachaustausch mit chinesischen StudierendenSprachaustausch mit chinesischen Studierenden

Peking

Peking

Peking

Peking

Tiananmen - Tor des himmlischen FriedensTiananmen -
Tor des himmlischen Friedens

Vor dem TiananmenVor dem Tiananmen

Peking-Ente

Peking-Ente

 

 

 

Zum Seitenanfang