Exkursion der Sinologie nach Berlin 2015

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Geschrieben von: Raphael Dohardt, Kristina Gasynets, Wen-Feng Qian, Sabrina Rosenzweig, Krystyna Tyzhai, Marc Wiede, Inken Wöhrmann

Gruppenbild

Vom 29.11. bis zum 01.12.2015 fand die Exkursion der Erlanger Sinologie nach Berlin statt. Es fuhren insgesamt sieben Studierende verschiedener Jahrgänge unter Betreuung von Professor Esther-Maria Guggenmos und Anne Schmiedl in die deutsche Hauptstadt.

Nach der Anreise am Samstagabend trafen wir uns am Sonntagmorgen alle um halb 9 im Frühstückssaal des Hostels. Wir hatten einen langen und kulinarischen Tag vor uns – wirklich jeder freute sich auf das gemeinsame Abendessen beim Chinesen.

Die erste Anlaufstelle der Exkursion waren die Museen Dahlem, die das Museum für Asiatische Kunst beherbergen. Geführt wurden wir von einer Indologin, die es auf großartige Weise verstand, uns in die buddhistische Religion einzuführen. Sonntag_Ostasiatisches MuseumDoch damit nicht genug: Anhand der im 20. Jahrhundert entdeckten Turfanfragmente machte sie den gewaltigen Einfluss dieser Religion über den asiatischen Raum deutlich, und im Gegenzug schließlich, wie später dann der entwickelte Buddhismus des asiatischen Raumes nach Indien zurückwirkte. All das konnte sie durch Geschichten der Schriftstücke und Wandmalereien Turfans anschaulich und greifbar darlegen.

Durch die Fundstücke aus Turfan ist es möglich, Kunst und Kultur Asiens ganz neu zu betrachten; es fallen viele Verbindungen auf, die vorher nie bemerkt worden waren, aber nun offensichtlich erscheinen. Nach der Führung hatten wir noch etwas Zeit uns den Rest der Ausstellung und den Markt genauer anzusehen.

Danach fuhren wir zusammen zum Kurfürstendamm zu einem Weihnachtsmarkt, wo sich unsere Wege dann erst einmal zur freien Verfügung trennten, bis wir uns um 19 Uhr zum gemeinsamen Abendessen am chinesischen Restaurant „Tianfu“ treffen sollten. Etwas durchnässt aber glücklich schlemmten wir uns durch einen Gutteil der Speisekarte und neu gebrachte Teller waren schnell ratzeputz leer.

 

Am Montag begaben wir uns zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, um dort einen Einblick in die Arbeit der Turfan-Forschungsstelle zu erhalten. Dort empfing uns herzlich ein Team aus zwei Turkulogen, einem Iranisten sowie Editions-, und Digitalisierungsexperten, die uns an Hand ausgewählter Manuskripte einen praxisnahen Einblick in die philologische und restaurierende Arbeit an den schriftlichen Erzeugnissen des Tarimbeckens zeigten.

Montag_BBAWDiese damals unter uighurischer Herrschaft stehende Region war Heimat einer Vielzahl an Sprachen und Religionen und somit eine Kulturkontaktzone von höchster Bedeutung und Strahlkraft. Neben dem Buddhismus, der hier in einer chinesisch-tibetischen Reimportvariante florierte, waren auch das Christentum und der Manichäismus vertreten. Da wir den Manichäismus hauptsächlich aus christlich-muslimischen Schmähschriften kennen, stellen die in Turfan gefundenen Primärtexte einen wertvollen Zugewinn für die Religionswissenschaft dar. Aber auch aus einer philologischen Perspektive sind die gefundenen Texte höchst interessant, da sie als Werke intensiver Übersetzungsarbeit zahlreiche Sprachkontaktphänomene wie Entlehnungen, Übernahme anderer Schriftsysteme, Glossen, Kommentar usw. zeigen.

Nach einer Stärkung aus gebratenen Nudeln und Frühlingsrolle ging es dann zu Fuß weiter vom Alexanderplatz zur Humboldt-Universität, die unter den Linden zu finden ist. Die Universität mit Klassisch-Chinesischer Ausrichtung beeindruckte schon von außen durch ihren Baustil und die imposante Größe. Auch von innen konnte die HU sich gut sehen lassen. Da wir uns bereits in unmittelbarer Nähe befanden, war ein kurzer Abstecher beim Brandenburger Tor ein absolutes Muss, vor allem für die Kommilitonen, die zum ersten Mal in Berlin waren. In der vorweihnachtlichen Atmosphäre, mit Weihnachtsbaum und Lichterschmuck, war das Tor ein toller Hingucker.

Montag_Konfuzius InstitutNach ein paar Gruppenfotos vor dem Brandenburger Tor machten wir uns mit der Straßenbahn auf zum Gegenstück der HU – zur Freien Universität Berlin, der FU, die ihre Ausrichtung auf das Moderne China legt. Die FU Berlin überraschte durch ihren komplexen und neuartigen Baustil, wie z.B. einer Art „Hängetreppe“, die die Studenten ins nächst höhere Stockwerk führte. Eine solche Universität hatten wir noch nicht gesehen!

Am Abend stand ein weiteres Programm-Highlight unserer Exkursion an. Wir besuchten das Konfuzius-Institut in Berlin. Nach einem herzlichen Empfang wurden wir dort mit dem Leben und Wirken von Walter Liebenthal vertraut gemacht. Walter Liebenthal (1886-1982) war ein berühmter deutscher Sinologe, dessen Sohn auch schon persönlich am Konfuzius-Institut war.

Zu seinem Werdegang: Nachdem Liebenthal auf Grund einer Kriegsverletzung seine vorherige Tätigkeit als Bildhauer nicht mehr ausführen konnte, fand er ernsthaftes Interesse am Buddhismus. Schließlich studierte er dann auch Indologie und lebte in Peking (1934-1937). Nach dieser Zeit begab er sich ins Exil nach Changsha und Yunnan auf der Flucht vor japanischen Truppen im Krieg (1937-1946).

Er beschäftigte sich mit der Ausprägung des Buddhismus in China und mit dessen Verbindung zum Daoismus. Ab 1952 arbeitete er an der Visva-Bharati Universität in Indien, verfolgte aber trotzdem weiterhin einen regen Austausch mit seinen chinesischen Kollegen und Sanskritstudenten. 1958, nach dem Tod seiner Frau, beschloss Liebenthal, Indien zu verlassen. Danach suchte er nach einer neuen festen Forschungsheimat, bis er schließlich 1965 Honorarprofessor in Tübingen wurde. Im Alter von 96 Jahren verstarb Walter Liebenthal.

 

Dienstag_StaatsbibliothekAm letzten Tag unserer Exkursion waren wir in der Ostasienabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Dort gab uns eine der Mitarbeiterinnen eine Einführung in die Services der Bibliothek, sowie in die Recherche in Katalogen und Datenbanken.

Die Staatsbibliothek wurde im Jahr 1661 gegründet. Leider ging während des Krieges viel verloren. Ein Drittel der Bestände kam zurück, zwei Drittel befinden sich mittlerweile in Krakau und Russland. Heute besteht die ostasiatische Sammlung aus 750.000 Bänden, die jährlich um 25.000 Bände wächst.

Große Bedeutung für unser Studium hat CrossAsia (diese Online-Datenbank gibt es seit dem Jahr 2006), welches mehr als 90 Millionen bibliographische Daten umfasst.

In der Präsentation lernten wir, wie man in Online-Datenbanken (Zeitschriftendatenbanken, StaBiKat und Ostasien-OPAC) verschiedene Werke findet. In der Staatsbibliothek besteht zudem die Möglichkeit, nicht vorhandene Werke online zu bestellen (auch aus dem Ausland).

Brandenburger Tor

Zudem konnten wir einige Fragmente mit chinesischen Schriftzeichen aus dem Turfangebiet betrachten. Nach der Präsentation bekamen wir außerdem eine Führung durch die verschiedenen Abteilungen der Bibliothek. Nach dem Besuch der Staatsbibliothek aßen wir gemeinsam zu Mittag, bevor wir am Abend schließlich wieder zurück nach Erlangen fuhren.

 


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Berlin-Exkursion

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