Erfahrungsbericht über den Auslandsaufenthalt in Japan

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von Jermayne Abrams, Student der Japanologie und der Sinologie

Mein Name ist Jermayne Abrams und ich war von September 2013 bis August 2014 als Austauschstudent in Japan, genauer gesagt an der Osaka Universität in Osaka. Dort habe ich am Maple-Programm, einem Programm, das speziell für Studierende im Ausland gefertigt wurde, teilgenommen. In meinem Jahr im Ausland habe ich viele positive, aber auch negative Erfahrungen sammeln können. Jedoch halte ich alle meine gesammelten Erfahrungen für maßgebend in meinem Leben und sie werden meiner Zukunft sicherlich von Nutzen sein.
Zuerst berichte ich über das Leben auf dem Campus und um ihn herum. Danach gehe ich noch auf einige Reisen innerhalb Japans ein. In meinem Erfahrungsbericht lasse ich sowohl Tipps für das Auslandsjahr als auch konkrete Kosten, die hauptsächlich die Osaka Universität betreffen, mit einfließen. Da ich Unsicherheiten bei Interessenten, die nach Osaka gehen möchten, etwas vermindern möchte, kann es passieren, dass manche Themen etwas länger geworden sind und dem allgemeinen Leser etwas langweilig vorkommen. Deshalb versuche ich, hin und wieder etwas humorvoll zu schreiben.


Erfahrungsbericht über das Leben in Ôsaka an der Ôsaka Daigaku

Das Leben als Austauschstudent an der Ôsaka Daigaku hat seine Vor- und Nachteile. Die Universität an sich ist in drei Campi aufgeteilt. Es gibt den Suita-Campus, an dem sich die naturwissenschaftlichen Institute befinden, den Toyonaka-Campus, der größte und bedeutendste Campus, und den Minoh-Campus, an dem sich die fremdsprachlichen Institute befinden. Alle drei Campi sind mit dem Bus oder der Bahn ca. eine halbe Stunde voneinander entfernt. Als Austauschstudent lebt man für gewöhnlich auf dem Minoh-Campus, da dort die drei verschiedenen Studentenwohnheime angeboten werden. Die drei Studentenwohnheime heißen Minoh International Student House (auch liebevoll unter den Studenten als K-Dorm bezeichnet) und Minoh International Student Dormitory 1 und 2. Die Wohnheime unterscheiden sich von der Größe der Zimmer, sanitären Anlagen, Raum für Freizeitaktivitäten und der Preisklasse. Somit ist das K- Dorm das billigste und das Student Dormitory 2 das teuerste. Das K-Dorm mit 16.800 Yen Monatsmiete beinhaltet ein kleines, gemütliches Zimmer mit einem Schreibtisch, einem Kleiderschrank, zwei weiteren kleinen Schränken, einem Bücherregal, einem Bett mit Matratze, Kissen und Decken, einer Nachttischlampe und einer Klimaanlage (der zusätzliche portable Luftentfeuchter wird wahrscheinlich nicht funktionieren). Waschräume, Toiletten und Duschen sind vorhanden, jedoch in Gemeinschaftsräumen. Dasselbe gilt für das Student Dormitory 1 mit einer Monatsmiete von 22.900 Yen, jedoch behaupte ich, dass die Wohnräume etwas größer sind. Im Dormitory 1 werden unter anderem die Hauspartys gefeiert und Tischtennis gespielt. Es ist das größte und belebteste von den Studentenwohnheimen. (Glaubt mir: ich lebe in diesem Wohnheim und ich bereue es nicht). Das Dormitory 2 hat eine Monatsmiete von 28.900 Yen, aber dort hat man die sanitären Anlagen in seinem Zimmer integriert. Dummerweise darf man sich nicht aussuchen, in welches Wohnheim man geht, also kann man nur beten. Man hat auch die Möglichkeit, sich selbst eine Wohnung zu suchen, aber ich würde euch dringend davon abraten, ihr werdet bei Ankunft schon genug administrativen Stress haben und die Mieten in den Wohnheimen sind schwer zu überbieten.

Man hat Unterricht im Center for Japanese Language and Culture, kurz CJLC (eine nicht aussprechbare Abkürzung) welches glücklicherweise nur 5 Minuten von allen Wohnheimen entfernt ist. Vor der Wahl eures Unterrichts wird euer Wissen über die japanische Sprache in Form eines kräfteraubenden Tests am Computer geprüft. Anhand eures Ergebnisses werdet ihr in verschiedene Klassen unterteilt. (Das Ergebnis des Tests ist endgültig! Fragt am besten gar nicht nach einer Wiederholung.)  Das Angebot an Kursen und Seminaren ist befriedigend. Beispielsweise kann man in Seminare wie japanische Politik, Mythen, Wirtschaft und Geschichte gehen. Diese Seminare sind auch sehr interessant und da diese auf Japanisch sind, wird das Sprachniveau auch verbessert. Allerdings bin ich mit den Sprachkursen nicht sehr zufrieden. Hauptsächlich weil sie zu einfach sind oder weil die Lehrer immer wieder dasselbe erzählen. Da kann es wirklich passieren, dass man vielleicht einschläft. Die Grammatikkurse sind noch vernünftig, weil man dort Ausdrücke kennen lernt, die man nie zuvor im Unterricht gesehen hat. Leute, die Kurse außerhalb des M-Programms nehmen möchten, wie zum Beispiel Physik oder Chemie, werden es sehr schwer haben, welche zu bekommen, weil die Informationskette außerhalb des Minoh-Campus recht lausig ist.
Nun zu einem großen Problem hier auf dem Minoh-Campus. Man lebt hier mit Austauschstudenten, Affen und Bergen....das war‘s. Die Stadt Ôsaka ist circa eine Stunde vom Campus entfernt. Wir sind schon wirklich langsam am Rechnen, ob Minoh eher zu Kyôtô gehört weil es seltsamerweise einfacher ist, dorthin zu fahren als nach Ôsaka. Von unserem Campus aus benötigt man 10 Min bis einem nächsten Konbini und einem Supermarkt. Dort ist auch die Haltestelle der überteuerten Ôsaka Monorail, die einen wenigsten nach Senrichûô, dort wo Leben zumindest anfängt, bringt. Von dort nimmt man noch etwaige Züge oder U-Bahnen, um ins Zentrum zu gelangen. Wer also in Umeda shoppen will oder in Namba oder Shinsaibashi ordentlich Party machen will, muss immer 2 Stunden Hin- und Rückweg zu einem Preis von circa 2000 Yen mit einrechnen. Ich empfehle jedem, der an der Ôsaka Universität studieren möchte, bei der Bewerbung an dem Host Family Program und dem IRIS School Exchange Program teilzunehmen. Dies ist einer der Wege, guten Kontakt zu Japanern zu bekommen. Zudem empfehle ich auch dringendst, so oft wie nur möglich nach Ôsaka zu fahren, denn wenn du im Minoh-Campus bleibst, vereinsamst du nur.

Tipps für einen stressfreien Start an der Ôsaka University:

  • Komme niemals zu spät zu administrativen Besprechungen; Versuche nicht, nachts in dein Wohnheim einziehen zu wollen (gilt für Leute, die vorher vielleicht in Tôkyô sind);
  • Habe eine Visa-Karte vor Ankunft in Japan (wichtig!);
  • Besorge dir schnellstmöglich Internet (empfohlen Sun-Net, angeboten an der Uni);
  • Besorge dir ein internetfähiges Handy, wenn du noch keins hast, und lade dir Line und Jordan herunter, denn du wirst dich verirren;
  • Besorge dir eine ICOCA, denn die Zeit rennt;
  • Mache dir schnell ausländische Freunde, denn du wirst erstmal keine Japaner finden;
  • Sei nicht neidisch auf deine asiatischen Mitschüler, sie sind einfach besser in Japanisch...dafür du in Englisch;
  • Sprich auch mit deinen ausländischen Mitbewohnern auf Japanisch, wenigstens sie antworten dir auf Japanisch;
  • Wenn du in einen Club gehst, denke dir nichts bei dem, was du siehst, Japaner müssen auch mal unzivilisiert die Sau rauslassen.

Für die Leute, die ich vielleicht mit diesem Bericht überzeugt habe, an der Ôsaka Universität zu studieren: OSAKA IS THE BEST! Du wirst ziemlich viel erleben, viele Städte sehen und in den Genuss des rauhen Ôsaka-Dialekts kommen. Trotz des ständigen Überlebenskampfes mit Affen in Minoh, den Strapazen der Alkohol-Labyrinthe in Namba und dem (anfangs) unverständlichen Gebrabbel der Einwohner wirst du keine Sekunde bereuen, hier zu sein.

 

Reisen in Japan

Das Reisen in Japan ist ein absolutes Muss, denn das Inselreich ist voll von Festen und traumhaften Gegenden. Da aber die Vorbereitungen für bestimmte Reiseziele einem schnell die Laune verderben können, hier noch ein paar Tipps für einen günstigen und reibungslosen Freizeitspaß:

  • Da der Shinkansen (berühmter Schnellzug in Japan) eines der teuersten Fahrzeuge ist ( z.B.  eine Fahrt Osaka - Tokyo ca. 12.000 Yen ), eher die alternativen Verkehrsmittel benutzen;
  • Es ist wichtig, schon mindestens einen Monat vorher Fahrten zu reservieren, um einerseits Geld zu sparen und um andererseits überhaupt Plätze zu bekommen;
  • Nacht- und Tagbusse, die Langstrecken fahren, sind zwar unbequem, aber man spart Unmengen an Geld;
  • Erkundige dich nach Rabatt oder Sonderangeboten (Japaner lieben Sonderangebote!) für Fahrten; z.B. als Auslandsstudent bekommt man für den Shinkansen auf bestimmten Strecken Rabatt oder das Reisebüro JTB hat auch mehrmals günstige Angebote;
  • Die Fluggesellschaft Peach hat unschlagbare Angebote, die auch einmal einen Blick wert sind ( z.B. 2000 Yen für Osaka nach Fukuoka!);
  • Immer auf saisonale Ereignisse achten, denn beispielsweise im Februar nach Hokkaido zu fliegen, ist nahezu unbezahlbar;
  • Reise am besten mit asiatischen Freunden, denn die wissen schon längst, wie man mit der billigsten Methode die beste Touristenattraktion findet.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Bilder von Orten, die ich besichtigt habe, einfügen, um eine gewisse Vorstellung davon zu geben, wie bestimmte Reiseziele aussehen könnten. Ich hoffe, ich konnte mit meinem Bericht  bei vielen das Interesse für Japan wecken. Ich würde auf jeden Fall noch einmal hingehen wollen.

 

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Bildergalerie

 

Hi-Matsuri (Feuerfest)

Hi-Matsuri (Feuerfest) Hi-Matsuri (Feuerfest)
Hi-Matsuri (Feuerfest) Dieses Fest wird in mehreren Städten gefeiert und man sieht es im Herbst. Männer und Kinder tragen Fackeln durch die Stadt.

 

Hiroshima

Hiroshima Hiroshima
Eine historisch wichtige Stadt. Geschichtsliebhabern empfehle ich, ins Atombomben-Museum zu gehen oder das Denkmal der 1000 Kraniche zu besuchen. Hiroshima

 

An einem japanischem Gymnasium

 An einem japanischem Gymnasium Dies ist zwar kein Reiseziel, jedoch ist es auch mal empfehlenswert, als Austauschstudent an einem Gymnasium eine Präsentation oder sogar einen Unterricht zu halten, wenn es möglich ist.

An einem japanischem Gymnasium  An einem japanischem Gymnasium

 
Nikko

Das in der von der Stadt Utsunomiya gelegene Dorf Nikko ist eines der Reiseziele schlechthin. Wer Hiking, Segeln oder andere sportliche Aktivitäten mag, ist hier genau richtig.

Nikko
Nikko Nikko

 

 

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