Erfahrungsbericht: Auslandsjahr in Xiamen

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von Leonie Sterzel, Studentin der Sinologie

Die Anfangszeit

Seit Beginn meines Studiums in Sinologie war für mich klar, dass ich für ein Jahr nach China gehen werde. Nur wohin war lange eine Frage. Bei der Bewerbung für ein Stipendium können mehrere Wunschstädte angegeben werden. Ich entschied mich für Xiamen als erste Wahl und hatte Glück. In Xi'anMitte Juli im letzten Jahr kam endlich die Zusage vom Stipendium des Konfuzius Instituts für die Universität Xiamen. Anfang September ging es dann auch schon los, denn der 13. September war der offizielle Einschreibetermin. Diese Termine sind jedoch von Universität zu Universität unterschiedlich. In den darauffolgenden Tagen gab es Einstufungstests (schriftlich und mündlich), damit wir in die passenden Kurse eingeteilt werden konnten. Insgesamt gibt es sechs Abstufungen und ich bin in der zweiten Stufe gelandet. Außerdem musste ich mich um die Bestätigung meines Gesundheitszeugnis kümmern, für das im Vorfeld bereits in Deutschland die Untersuchungen durchgeführt wurden. Das Zeugnis musste ich dann mit einigen anderen Unterlagen zur Beantragung der Aufenthaltsgenehmigung einreichen.

 

Der Campus

Zur Universität Xiamen gehören der Siming Campus und der Xiang’an Campus. Die große KantineDer Siming Campus ist der ältere von beiden, liegt zentral in der Stadt auf der Insel und hat direkten Zugang zum Meer. An diesem bin ich leider nicht gelandet, sondern am Xiang’an Campus. Denn dort befindet sich das Overseas Education College für alle ausländischen Sprachstudenten. Dieser Campus wurde vor ca. drei Jahren errichtet und befindet sich weit außerhalb der Stadt auf dem Festland. Insel und Festland sind durch einen ca. 6 km langen Tunnel verbunden. Um den Campus herum gibt es bis jetzt fast nichts außer ein paar kleinen Dörfern und vielen Feldern. WohnheimeAuf dem Campus befinden sich, abgesehen von den Unterrichtsgebäuden, der großen Bibliothek und den Wohnheimen, zwei Kantinen, zwei Friseure, eine Post, zwei Supermärkte, einige Handy-/Internetläden, ein Fahrradladen und viele kleine Cafés. Ich besitze ein Fahrrad und das ist auch sehr sinnvoll, denn die zurückgelegten Strecken sind aufgrund der Größe des Campus sehr lang.

Die Wohnheime wurden in zwei verschiedenen Gebieten auf dem Campus errichtet, der eine Teil ist hauptsächlich für die chinesischen Studenten, in dem anderen Teil leben vor allem die ausländischen Studenten.Wohnheimzimmer Ich finde, diese Aufteilung hat Vor- und Nachteile, denn das macht es noch schwieriger mit chinesischen Studenten in Kontakt zu kommen. Auf der anderen Seite hat man die Möglichkeit viele Menschen mit den verschiedensten Nationalitäten kennen zu lernen. Auf jedem Flur in den Wohnheimen gibt es zwei Wohnungen mit jeweils vier Zimmern. In jedem Zimmer gibt es zwei Betten, aber manche Studenten können trotzdem ein Zimmer alleine bewohnen. An jedes Zimmer grenzt ein kleiner Balkon mit Waschbecken an. In der Wohnung gibt es außerdem einen kleinen Gemeinschaftsbereich, in dem unbequeme Holzmöbel stehen und ein Badezimmer, das aus zwei Kabinen mit jeweils Klo und Duschkopf besteht. In ein paar Wohnheimen gibt es im Erdgeschoss kleine Räume mit Waschmaschinen, aber im Verhältnis zur Menge der Studenten sind es nur sehr wenige.

 

Der Sprachunterricht

KlassenzimmerDer Sprachunterricht ist unterteilt in Grammatik, Hörverstehen und Mündlich. Im Grammatikunterricht wird mit einem normalen Textbuch gearbeitet, so wie wir es in Deutschland auch benutzen. Da hatten wir im ersten Semester einen richtig guten und kompetenten Lehrer erwischt, dem man angemerkt hat, dass er schon oft mit Ausländern zusammengearbeitet hat. In Hörverstehen gibt es auch ein Buch und pro Stunde wurde immer eine Lektion erarbeitet, da diese nicht sehr lang waren. Es gab verschiedene Texte zum Anhören und dann musste entweder „Wahr oder Falsch“ angekreuzt oder Lücken ausgefüllt werden. Anfangs hatten wir in der Klasse viele Probleme mit unserer Lehrerin, da sie sehr schnell und undeutlich gesprochen hatte und wir so nur sehr schlecht mitgekommen waren. Aber etwa in der Mitte des Semesters gab es eine Evaluation und danach hatte es sich deutlich verbessert. Auch für Mündlich gibt es ein Buch, aber mit diesem hatten wir fast gar nicht gearbeitet. Blick auf die BibliothekInnerhalb der Klasse wurden immer zwei Personen als Sprachpartner eingeteilt und dann wurden zusammen Dialoge vorbereitet, die vorgetragen werden mussten. Außerdem mussten wir unseren Lebenslauf erarbeiten und vorstellen und haben viele Spiele im Unterricht gespielt. Mit unserer Lehrerin in Mündlich hatten wir auch großes Glück, denn von anderen Kursen hatten wir gerade in diesem Fach viele negative Dinge mitbekommen. Zum Beispiel kamen die Studenten selbst nie zu Wort, da die Lehrer die ganze Stunde immer nur einen Monolog hielten. Die Prüfungen waren in zwei Teile aufgeteilt. Ende November hatten wir bereits Zwischenprüfungen und Mitte Januar fanden die Abschlussprüfungen statt.

Abgesehen vom Sprachunterricht gibt es auch die Möglichkeit an Wahlkursen teilzunehmen. Da gibt es chinesische Malerei, Kalligraphie, Kongfu sowie Les- und Schreibübungen von modernen chinesischen Texten. Auch gibt es das Angebot von der Universität einen Sprachpartner vermittelt zu bekommen. Das ist relativ einfach. Man muss nur in das zuständige Büro gehen und sagen, dass man gerne einen hätte und Kontaktdaten hinterlegen. Campus am AbendIm Großen und Ganzen finde ich die Organisation an der Universität in Ordnung. Aber gerade am Anfang hätten sich viele mehr Klarheit und Unterstützung gewünscht. Manchmal wusste man nicht genau, was zu tun war oder was als nächstes kam. Das hat mich sehr verwirrt. Erst nach mehrmaligen Nachfragen wusste man besser Bescheid. Da hätten zum Beispiel schon mehr Zettel am Aushang gereicht, um genügend informiert zu sein. Ein paar Mitarbeiter an der Universität können Englisch. Das war gerade am Anfang sehr hilfreich, aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass die Verständigung immer besser funktionierte und ich immer mehr auf mein Chinesisch statt auf Englisch zurückgreifen konnte.

 

Außerhalb des Campus

Wenn man außerhalb des Campus etwas erleben möchte, muss man lange Fahrten mit dem Bus (oder Taxi) auf sich nehmen. Es gibt zum Beispiel einen Bus, der den Xiang’an Campus mit dem Siming Campus verbindet und man gelangt so direkt in die Stadt, allerdings ist er bis zu 1 ½ Stunden unterwegs – Auf GulangyuWartezeiten und Verkehr noch nicht einberechnet. Zum Glück gibt es aber auch nähere Möglichkeiten, um zum Beispiel Einkaufen gehen zu können. Zum einen den Stadtteil Xindian, der ist mit dem Bus ca. 15 Minuten entfernt oder die Wanda Shoppingmall, die mit dem Bus und zweimal Umsteigen ca. 30 Minuten entfernt ist.

Xiamen hat nicht viele touristische Highlights, aber die, die es gibt, sind wirklich sehenswert. Dazu zählt zum einen der Siming Campus mit seinen vielen alten Gebäuden, der Nanputuo Tempel mit angrenzendem Botanischen Garten und zum anderen die kleine benachbarte Insel Gulangyu mit ihren kleinen Häusern voller europäischem Charme. Ich finde die Stadt ist sehr schön, weil ein interessanter Mix an chinesischen und westlichen Gebäuden besteht. Nanputuo-TempelIn drei bis vier Jahren soll dann auch die Metro fertiggestellt sein, die das Leben hier im Vergleich zu jetzt mit Sicherheit um einiges angenehmer machen wird. Bis dahin wird sich das Fortbewegen noch ein bisschen beschwerlicher gestalten, aber trotzdem freue ich mich hier zu sein und so tolle und wertvolle Erfahrungen machen zu dürfen. Voller Vorfreude und Neugier erwarte ich das zweite Semester.