Chinese Bridge-Wettbewerb: Deutschlandfinale in Heidelberg, 21. Mai 2016

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von Leonie Sterzel

Chinese Bridge Wettbewerb 2016Seit ich Sinologie studiere, wurde ich immer mal wieder gefragt, ob ich nicht beim Chinese Bridge Wettbewerb mitmachen möchten. Auch wenn mir immer versichert wurde, dass das alles gar nicht so schlimm sei, habe ich mich trotzdem nie getraut bzw. bereit gefühlt daran teilzunehmen. Dann ging ich für ein Jahr nach China und wurde etwas selbstbewusster darin, Chinesisch zu sprechen. Zurück in Deutschland wurde ich wieder gefragt, und dann dachte ich mir: "Warum eigentlich nicht?"

Nachdem meine Teilnahme eine beschlossene Sache war, ging es auch schon Ende Dezember 2015 mit der Vorbereitung los. Der Fokus wurde zunächst auf die Rede gelegt, denn die ist der wichtigste Teil des Auftritts. Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs war: 《我的中国梦 》Wo de Zhongguomeng (Mein chinesischer Traum). Frau Cui Yang, Sprachlehrerin bei uns am Institut, war mir bei der Vorbereitung eine große Hilfe und wir überlegten uns zusammen den Inhalt meiner Rede. Nach zwei Monaten war diese einigermaßen gefestigt, nur an den Tönen des Chinesischen und Betonungen musste noch gefeilt werden. Währenddessen begann ich die Fragen und dazugehörigen Antworten zu lernen, denn diese sind der zweite Teil des Auftritts. Die Fragen sind in drei Themengebiete aufgeteilt, nämlich zur Grammatik und Sprache, zur Kultur und zur Geschichte des Landes. Insgesamt sind es an die 200 Fragen. Ungefähr zwei Wochen vor dem Wettbewerb bekam ich auch die endgültigen Fragen zugeschickt, denn vorher hatte ich mit denen aus dem vorherigen Jahr gelernt. Aber im Großen und Ganzen stimmten sie überein.

Chinese Bridge Wettbewerb 2016Der dritte Teil des Auftritts ist eine eigene Darbietung, und diese war zunächst eine Herausforderung für mich. Da ich weder tanzen, noch Taiji oder malen kann, blieb für mich nur die Musik übrig und so entschloss ich mich dazu, Saxophon und Flöte zu spielen und zu singen. Zusammen mit Frau Cui suchte ich ein traditionelles chinesisches Lied aus und dafür fand ich den Mix aus einem westlichen und einem chinesischen Instrument sehr passend. Das Lied hatte insgesamt vier Strophen, und so wollte ich die erste Strophe mit Hintergrundmusik singen, die zweite auf der Flöte spielen, die dritte auf dem Saxophon spielen und die vierte ebenfalls auf dem Saxophon spielen, aber alle zum Mitsingen auffordern.

Nach ungefähr fünf Monaten Vorbereitungszeit war der große Tag gekommen, und wir fuhren nach Heidelberg. Am Abend davor wurde die Reihenfolge der Auftritte ausgelost und es gab ein gemeinsames Abendessen mit allen Teilnehmenden, Mitarbeitenden des Konfuzius Instituts aus ganz Deutschland und Angehörigen. Am nächsten Tag konnten wir uns ab 8 Uhr morgens in der Musik- und Singschule in Heidelberg auf unseren Auftritt vorbereiten, wo auch der Wettbewerb stattfand. Während zu Beginn Reden gehalten wurden und die ersten Teilnehmer bereits ihre Auftritte absolvierten, ging ich noch so oft es ging meine Rede und mein Lied durch. Dann musste ich auch schon auf die Bühne, denn ich war als vierte an der Reihe. Chinese Bridge Wettbewerb 2016Ich war sehr aufgeregt und hatte mir im Vorfeld allerlei Horrorszenarien im Kopf ausgemalt, die eintreten könnten. Sind sie dann aber nicht, denn als ich oben auf der Bühne vor der Jury und den Zuschauern stand, fiel alle Anspannung ab, und ich konnte meine volle Energie in den Auftritt legen. Ich hatte keinen Texthänger, konnte alle Fragen (es werden drei gestellt) beantworten und bei der vierten Strophe sang sogar ein Teil des Publikums mit. Mein Plan war aufgegangen. Am Ende hatte es nur für eine Teilnehmerurkunde und ein Buch über die chinesische Mauer gereicht, aber alles in allem war ich mit dem Auftritt zufrieden und bin froh, dass ich diese Erfahrung machen konnte.